Mehr Klarheit weniger Grübeln – Wege aus dem Overthinking. Transkript zum Vortrag auf der Gesundheitsmesse Bad Marienberg 2025

Kennst du das auch? Du liegst nachts im Bett, willst eigentlich schlafen – aber im Kopf geht’s rund. Gedanken wie: „Was wäre wenn…?“, „Warum hab ich das gesagt?“, „Hätte ich mich doch anders entschieden…“ Und ehe du dich versiehst, bist du gefangen im Gedankenkarussell. Willkommen beim Grübeln und Overthinking.

Dieses Transkript meines Vortrags zur Gesundheitsmesse Bad Marienberg berichtet über dass, was ich in meiner Arbeit bei KONZIO immer häufiger sehe: Exzessives Grübeln. Oder genauer gesagt: Overthinking.

Lesedauer:
Den Beitrag hören:

Begrüßung und Einführung: Grübeln und Overthinking

Herzlich willkommen, vielen Dank für das Interesse! Mein Name ist Manuel Schneider, heute geht es um mehr Klarheit und Wege aus dem Grübeln – also aus dem Overthinking. Etwas sperrig formuliert vielleicht, aber wichtig.

Jeder Mensch kommt mal in eine Phase, wo es gedanklich etwas schwieriger ist, weil es einfach viel zu denken gibt. Und darum geht’s heute: ums Denken – und darum, wann Denken zu viel wird.

KONZIO Manuel Schneider

Vortrag von Manuel Schneider, Gründer von KONZIO.

KONZIO ist abgeleitet von „consciousness“ – Bewusstsein – und im Esperanto bedeutet „kon“ so viel wie „mit“ und „cio“ steht für „Wissen, Kenntnis“. Wir begleiten Menschen und Organisationen dabei, mehr Wohlbefinden zu entwickeln – vor allem in ihren Beziehungen: zur eigenen Person, zu anderen Menschen und zur Welt. Deshalb auch unser Untertitel: „Wir gestalten Beziehungen.“

Warum dieses Thema „Grübeln und Overthinking“?

Ich habe fünf Gründe mitgebracht, warum wir über Overthinking sprechen sollten. Diese Fakten werden unterstützt von der AXA Mind Health Report 2024 und dem Bericht BGM im Mittelstand der TK Krankenkasse :

  1. Zunahme psychischer Probleme
    Die Studien zeigen: 32 % der weltweiten Bevölkerung berichten von mentalen Problemen. Tendenz steigend, aktuell etwa 3 % pro Jahr.
  2. Besonders junge Menschen sind betroffen
    In der Altersgruppe 18 bis 24 sind es sogar 39 %, die von Ängsten, Stress oder Depressionen berichten.
  3. Die Ernsthaftigkeit wird unterschätzt
    Bis zu 40 % der Betroffenen behandeln sich selbst – mit allen möglichen Mitteln – weil das Thema immer noch stark stigmatisiert ist.
  4. Herkunft der Belastung
    Drei von vier Menschen geben an, ihre Probleme im Zusammenhang mit der Arbeit entwickelt zu haben. Nicht die Arbeit an sich ist schuld, sondern das Umfeld und wie Arbeit gestaltet ist.
  5. Fehlender Unternehmensfokus
    70 % der Unternehmen wissen gar nicht, dass sie ein Problem haben. Lösungen bestehen oft nur aus Fitnessstudio-Gutscheinen – als würde man sagen: „Mach dich in deiner Freizeit gesund, damit du hier wieder funktionierst.“ Wir von KONZIO sagen: Gesundheit gehört an den Arbeitsplatz!

Was ist Overthinking überhaupt?

Gedanken wie „Hätte ich doch bloß…“, „Was wäre, wenn…“, „Warum bin ich so?“ sind typisch fürs Grübeln. Overthinking ist eine gesteigerte Form davon. Es bedeutet unkontrolliertes, übermäßiges Nachdenken – oft ohne Lösung oder Ende.

Man liegt abends im Bett und kommt nicht zur Ruhe. Oder das Denken beeinträchtigt den Alltag so sehr, dass man nicht mehr richtig funktioniert.

Ich habe drei Abschnitte vorbereitet:

  1. Man kann nicht nicht denken
  2. Was steckt hinter Overthinking?
  3. Tipps und Übungen

Man kann nicht NICHT denken

Unser Gehirn ist dafür gemacht, zu denken. Denken unterscheidet uns von vielen anderen Lebewesen. Das Ziel ist also nicht, „nicht zu denken“, sondern besser mit Gedanken umzugehen.

Gedanken können belasten – nicht weil sie da sind, sondern wegen der Emotionen, die sie auslösen. In der Meditation geht es deshalb nicht um Gedankenfreiheit, sondern um einen anderen Umgang damit.

Ein Beispiel aus der Forschung: Wenn wir „nicht denken“, springt das „Default Mode Network“ an – ein Ruhemodus des Gehirns, in dem wir träumen oder abschweifen. Das ist natürlich.

Default Mode Network

Unser Gehirn ist dafür gemacht, zu denken.

RuhezustandsnetzwerkDMN: Default Mode Network

Gehirnregionen, die beim Nichtstun aktiv werden. (z.B. Tagträumen, abschweifen,…)
Das DMN ermöglicht das sogenannte reizunabhängige Denken (engl. stimulus-independent thought).

Grübeln bedeutet: wiederholtes Nachdenken ohne Lösung. Entscheidungen werden ewig vertagt. Overthinking geht noch weiter: Es kreist ständig um „Was wäre wenn“-Fragen und ständiges Infragestellen bereits getroffener Entscheidungen.

Overthinking wirkt sich stark negativ auf unser Wohlbefinden aus – so stark, dass es dafür sogar einen ICD-Code gibt: F42.0 – Zwangsgedanken bzw. Grübelzwang.


Wer ist besonders betroffen?

  • Alter: Jüngere Menschen grübeln mehr. Ab ca. 35–40 Jahren hilft mehr emotionale Reife.
  • Geschlecht: Frauen neigen häufiger zu Overthinking.
  • Soziale Medien: Vergleich über Instagram & Co. fördert das Grübeln.
  • Einkommen: Menschen mit niedrigem Einkommen grübeln öfter – wegen Unsicherheit.
  • Beruflicher Kontext: Menschen mit hoher Verantwortung oder perfektionistischen Tendenzen sind stärker betroffen.

Hat Grübeln und Overthinking auch Gutes?

Die Natur hat sich etwas dabei gedacht: Denken schützt uns. Es hat evolutionär geholfen, in der Gemeinschaft zu überleben. Nachdenken und Reflektieren sind Schutzmechanismen aus der Steinzeit.

Soziale Isolation – wie in der Pandemie erlebt – belastet uns stark. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Einsamkeit ist heute erwiesenermaßen schädlicher als Rauchen.

Nachdenken und Reflektieren sind Schutzmechanismen aus der Steinzeit.

Tipps und Übungen zum Grübeln und Overthinking

  1. Edukation – Bildung & Benennung
    Wissen hilft. Wie beim Märchen Rumpelstilzchen: Wenn man etwas benennt, verliert es oft seine Macht. Gedanken, die nicht abgeschlossen sind, kreisen weiter – bis wir sie benennen.
  2. Grübel-Stopp – Die STOPP-Methode
    Das Wort „Stopp“ im Kopf gedacht oder laut gesagt, unterbricht den Gedankenfluss. Es schafft eine Lücke, um wieder bewusst zu werden: „Es ist nur ein Gedanke.“
  3. Achtsamkeit – Im Hier und Jetzt ankommen
    Stelle dich ruhig hin oder setze dich bequem auf einen Stuhl. Nimm ein paar Atemzüge. Nun mache die folgende Übung: Nimm wahr…
    • 5 Dinge, die du jetzt sehen kannst.
    • 4 Dinge, die du jetzt hören kannst.
    • 3 Dinge, die du jetzt fühlen kannst.
    • 2 Dinge, die du jetzt riechen kannst.
    • 1 Sache, die du jetzt schmecken kannst.
      Diese Übung hilft, ins Hier und Jetzt zurückzukehren – wo keine Gedanken sind, nur Wahrnehmung.
  4. Zeit nehmen – Grübelzeit einführen
    Sich bewusst zehn Minuten am Tag zum Grübeln nehmen. Das kann helfen, Gedanken zu entlasten oder ganz loszulassen.
  5. Journaling – Schreiben
    Schreiben bringt Gedanken aus dem Kopf. Entweder für sich oder im Gespräch mit anderen. Auch Aufschreiben und danach Verbrennen kann entlastend wirken.
  6. Realitäts-Check – Gedanken-Fokus und Kontrolle
    Frage dich: Was kann ich beeinflussen? Was liegt außerhalb meiner Kontrolle? Dadurch wird der Fokus geschärft und die Gedanken ziehen nicht mehr so weite Kreise.
  7. Hilfe holen
    Wenn Overthinking den Alltag bestimmt, dann kann es hilfreich sein sich Hilfe zu holen. Achtsamkeitstrainings und Meditationskurse, therapeutische Angebote oder Austauschgruppen sind hilfreiche Wege.

Abschluss & Einladung

Zusammenfassung:

  • Nicht denken geht nicht – aber man kann lernen, anders damit umzugehen.
  • Grübelzeit und Schreiben helfen.
  • Die Realität ist das Hier und Jetzt – nicht das, was dein Kopf dir vorspielt.

Einladung zum forschen:
wir bieten einen kostenlosen 6-Wochen-Onlinekurs an – jede Woche eine E-Mail mit Impulsen. Wer mag, kann sich ein Commitment geben: „Ich bleibe sechs Wochen am Ball.“

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.

Vortrag Gesundheitsmesse

Grübeln und Overthinking

Gesundheitsmesse Bad Marienberg

Vortrag am 09.03.2025

Vortrag Gesundheitsmesse

Über uns

KONZIOWir sind Begleiter, Impulsgeber und Berater für ein gutes Leben. Kennst du das Gefühl, dass dein Kopf einfach nicht stillsteht? Dass du grübelst, obwohl du längst eine Entscheidung getroffen hast? Dass du dich im Denken verlierst und das Leben an dir vorbeizieht?

Manchmal ist der wichtigste Schritt nicht „weiter denken“, sondern innehalten. Sortieren. Klarheit finden. Wieder bei dir ankommen.

Wir unterstützen dich dabei, den Weg aus dem Grübeln zurück ins Hier und Jetzt zu finden – und in eine Haltung, die dich stärkt statt stresst.

Deine Gedanken sind wertvoll – aber du bist mehr als dein Denken.
Mach das Beste daraus.

zurück zum Seitenanfang | zurück zur Startseite


„Richtungswechsel oder weiter gehen?“ – diesen Beitrag hören:


zurück zum Seitenanfang | zurück zur Blog-Startseite

KONZIO - wir gestalten Beziehungen

Eine Antwort auf „Mehr Klarheit weniger Grübeln – Wege aus dem Overthinking. Transkript zum Vortrag auf der Gesundheitsmesse Bad Marienberg 2025“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert